I´m a Challenger – Ironman

Was für ein Stück Arbeit!

Sich auf eine Triathlon-Langdistanz: 3,8k Schwimmen, 180k Radfahren und einen Marathon vorzubereiten ist harte Arbeit! Diese dann auch ins Ziel zu bringen noch viel schwerer. Lasst es mich von Anfang an erzählen.

Über ein Jahr Vorbereitung liegt nun hinter mir. Training immer in irgend welchen Lücken des normalen Tagesablaufs eingeschoben, um nicht nur körperlich sondern auch mental eine so große Herausforderung zu meistern. Für uns Freizeitsportler und ihren Angehörigen ist die Vorbereitung für eine so große Sache nicht immer leicht auf die Reihe zu bekommen. Der Tag könnte auch 48h haben und die Zeit wäre immer noch zu knapp. Neben dem Job, Familie und dem Alltag genügend Zeit zu finden, um für einen Ironman zu trainieren, ist ein Balanceakt. Deshalb kann ich nur sagen, wer das finished ist härter als ein Profi, denn diese leben davon und ihr Tagesablauf dreht sich nur um das Eine!

Das Challenge Roth Wochenende rückte nun immer näher und leichte Zweifel ob die Vorbereitungen ausreichend waren, kamen immer wieder hoch. Eine kleine Erkältung drei Wochen vor dem großen Event sollten mich mental nicht unbedingt stärken und ich dachte sogar über eine Absage nach. Natürlich konnten mich die zwei Wochen Trainingsausfall nicht so zurückwerfen, aber ich hatte dadurch “die Hose voll.”

Am Freitag Vormittag prüfte ich nochmals mein Equipment, belud das Auto und gegen Mittag machten meine Frau und ich uns auf den Weg nach Roth. Auf dem Weg kommunizierten wir mit Svons Frau, denn die beiden hatten schon gute vier Stunden Vorsprung und konnten uns nützliche Informationen zum Ablauf in Roth geben. Gegen 18:00 Uhr erreichten wir die Triathlonregion, was uns durch viele große Plakate unverkennbar mitgeteilt wurde, MANN, hier steht wirklich eine komplette Gemeinde/Region hinter diesem Event der Challenge Roth! Nachdem wir uns dann einen Parkplatz erkämpft hatten, gingen wir zum Triathlonpark um die Startunterlagen abzuholen. Da der Hunger uns auch schon quälte, gönnten wir uns gleich den Eintritt zur Pastaparty. Von Getränken, über Salatbuffet, Nudelbuffet und Nachtisch von Kuchen bis Jogurt war alles dabei und wir mussten nicht noch einmal irgendwo ein Restaurant suchen. Nach dieser Stärkung machten wir uns auf den Weg ins Hotel und klärten mit Svons Frau und ihm den Tagesablauf des nächsten Tages.

Schnell eingecheckt und relativ zeitnah ging es zu Bett. War ziemlich anstrengend und stressig der Freitag.

Am Samstag Morgen frühstückten wir mit Svon und seiner Frau und machten uns danach auf den Weg zur Wechselzone1, dem Bike Check-In. Wir registrierten unsere Räder und nach einer Helmprüfung konnten wir unsere Räder in die Radständer platzieren. Wir ließen erst mal die Luft aus unseren Rädern, denn bei dem schönen warmen Wetter wollten wir keine Reifenplatzer riskieren. Wir schauten uns die Wechselzone genau an, gaben unsere Laufwechselbeutel ab und holten uns noch ein paar Informationen am Infostand. Mehr konnten wir hier nicht mehr machen und so genossen wir noch etwas Kultur in der Altstadt von Roth. Am Nachmittag vor der Wettkampfbesprechung gingen wir noch über die Triathlonmesse.

Auf dem Heimweg hielten wir in einem kleinen Ort um zu Abend zu essen. Wir mussten ewig auf unser Essen warten aber die Qualität war gut. Im Hotel angekommen machten wir uns noch schnell Gedanken über die Frühstückszeit, denn ab 4:45 Uhr sollten die ersten Straßen in der Region gesperrt werden. Also verabredeten wir uns zu 3:00 Uhr im Frühstücksraum. Auf dem Zimmer überprüfte ich noch schnell ein paar Wettkampfsachen und hing meine Sportuhr nochmals an die Ladung, schließlich wollte ich einen 100% -tig vollen Akku. Kurz vor dem Einschlafen schaute ich noch mal auf meine Uhr und fragte mich warum nach über einer Stunde der Akku von knapp 90 auf 67% gefallen ist. Klar, bei dieser Uhr wird zuerst immer der Akku entladen und dann komplett voll geladen, aber eigentlich dauert es nicht so lange. Mit einem unguten Gefühl schlief ich dann auch endlich ein.

Nach einer viel zu kurzen Nacht riss uns der Wecker am Sonntag Morgen kurz vor drei aus dem Schlaf und mein erster Gedanke war:  Hoffentlich ist meine Uhr voll geladen. Der Blick auf diese sollte mich erstarren lassen 3% und das 5h vor dem Start. Was war das denn? Ich wechselte die Steckdose und nach der Morgentoilette ging es runter zum Frühstück. In der Hotellobby empfing uns Dvon und wir aßen gemeinsam unser Frühstück. Svon und ich waren erstaunlich relaxt, was bei Dvon irgendwie anders war. Klar, er hat das schon durch und er war ja auch schon ein Ironman. Mit letzten Tipps ging es dann zum Parkplatz an der Wechselzone1 in den Startbereich.

Wir schauten Seb Kienle kurz bei seinen Vorbereitungen zu, bevor Svon und ich eincheckten und gegen 7:00 Uhr einen Treffpunkt ausmachten um uns zu verabschieden und in aller Hoffnung eine geladene Wettkampfuhr übergeben zu bekommen. Meine Frau hatte diese an ihrer Powerbank und damit machte sie Fortschritte 54% und 2:00 h zum Treffpunkt.

Svon und ich korrigierten den Luftdruck unserer Räder, füllten unsere Trinkflaschen und machten einen Toilettengang. Danach machten wir noch eine Runde durch die Wechselzone und begutachteten das Material der anderen Teilnehmer, unter anderem das Rad von Sebastian Kienle und natürlich auch die von den gehandicapten Sportlern.

Was ich an unserem Sport so richtig toll finde ist, dass vom Teilnehmer mit Behinderung bis zum Profi alle am gleichen Wettkampf teilnehmen und das der Sieger des Rennens auf den letzten Finisher wartet.

Wir platzierten uns am Schwimmstart am Kanal und schauten den Profis beim Start zu. Jetzt war bei mir auch die Zeit der Nervosität angekommen und die Aufregung machte sich breit. Bis zu diesem Zeitpunkt ging es mir erstaunlich gut und das war sehr komisch, denn normalerweise bin ich komplett durch den Wind.

Nach den ersten Starts machten wir uns auf den Weg zum Übergabepunkt, wo wir uns von unseren Frauen verabschiedeten. Ich nahm meine zu 100% geladene Uhr in Empfang.

Kurz darauf quälte ich mich in meinem Neoprenanzug. Dabei bekam ich einen leichten Krampf in der rechten Hüfte, den ich aber schnell lösen konnte und ab zum Schwimmstart. Schnell von Svon verabschiedet und Glück gewünscht. Ich sagte ihm, dass wir uns auf der Radstrecke sehen würden, da er der bessere Schwimmer von uns beiden ist. Er hatte sich eine Zeit von ca. 1:30h und ich von ca 1:40h ausgerechnet, was einen Vorsprung von Svon von ca 5 Minuten bedeuten würde.

8:00 Uhr gab es den Kanonenschlag, 5 Minuten vor der letzten Gruppe, Svons Gruppe. Ich winkte den Frauen noch einmal zu und dann ging es los. 1500m Richtung Brücke und ich kam nach leichten Rangeleien gut ins Rennen . Auf Zick Zack Kurs erreichte ich die Brücke und wartete auf ein Schild, was mich zum wenden aufforderte. Die Entfernungen wurden auf gut lesbaren Schildern am Kanalrand angezeigt, nur das Wendeschild konnte ich nicht sehen. 60-100m nach der Brücke entschloss ich mich mal umzuschauen und stellte fest, viel zu weit geschwommen zu sein, Scheiße!

Ich korrigierte meine Richtung und konnte am Kanalrand Dvon erkennen. In den Atmungsphasen schrie ich ihn an und nach drei bis vier Versuchen verstand und erkannte er mich auch. Er begleite mich gut anderthalb Kilometer, bevor ich ihn aus den Augen verlor. Die Frauen konnte ich leider auch nicht mehr von der Schwimmstrecke aus erkennen, aber so ist es nun einmal beim Schwimmen.

So, den Schwimmausstieg erreicht und da ich kurz vorher ein Zwicken in der rechten Wade verspürte, wartete ich auf den Krampf beim ersten Auftreten. Doch nichts. Alles gut und ohne Beschwerden zum Wechselbeutel und rein ins Wechselzelt. Mit 1:25h war ich über diese Leistung sehr zufrieden. Raus aus dem Neo und Socken und Radschuhe angezogen. Sonnencreme auf den Rücken und auf dem Weg zum Rad einen Schluck getrunken und einen Riegel zum Frühstück eingeworfen. Mit erstaunen musste ich feststellen, dass sich Svons Rad noch in dem Ständer befand und das trotz meines Umweges beim Schwimmen.

Auf den ersten Metern erkannte ich unsere Frauen auf der Brücke und nach einem kurzen Wortwechsel konzentrierte ich mich auf das Radfahren. Die ersten 20-30k war es sehr voll auf der Strecke und man hatte Mühe nicht in den Windschatten zu kommen und andere zu blocken. Danach entspannte es sich und ich konnte mich auf den ersten großen Anstieg in Greding vorbereiten. Es war ein gemeiner Anstieg, doch Svon hatte ihn mir am Vorabend mit dem Auto gezeigt und daher wusste ich, was mich erwartete.

Bei den Verpflegungstellen, die im übrigen super organisiert waren, nahm ich mir das was ich brauchte und stellte fest, dass ich keine Eigenverpflegung hätte mitnehmen müssen.

Beim zweiten großen Ansieg, dem Solarer Berg, bekam ich Gänsehaut. In mitten der Menschenmassen vom Applaus den Berg hochgepeitscht zu werden ist schon geil. Oben konnte ich wieder die Frauen erkennen und sie feuerten mich auch an. Wie groß der Abstand zu Svon war wusste ich während des Radfahrens nicht ein mal, aber Svon ist auf dem Rad auch nicht zu unterschätzen.

Die erste Radrunde war vorüber und ich hatte an die 90k geschafft. Mir ging es gut und ich beschloss, es in der zweiten Runde etwas langsamer angehen zu lassen, denn 90 Radkilometer und ein Marathon lagen ja noch vor mir. Es kam etwas Wind auf und die Anstiege waren irgendwie steiler als in der ersten Runde, soll heißen, ich musste mich die Berge echt hochquälen. Ab Kilometer 150 wurde es sehr schwer. Ich kühlte mit Wasser meinen Rücken der vom Gefühl her schon richtig verbrannt war und bis zur zweiten Wechselzone zog es sich plötzlich wie ein Kaugummi.

Endlich angekommen, Radabstieg und mir wurde das Rad abgenommen, ich fühlte mich wie ein Profi! Nach 6:02h, kurz vor dem Wechselzelt, bekam ich meinen Beutel und mir wurde beim Umkleiden geholfen und der Rücken nochmals mit Sonnencreme eingeschmiert. Auf die Toilette und schon war ich auf der Laufstrecke.

Ich stellte fest das von meinem Mp3 Kopfhörer ein Ohrgummi fehlte und so blieb mir nichts anderes übrig, als ohne Musik die Marathonstrecke in Angriff zunehmen.

Die ersten 20k verflogen ohne Probleme. Ich sprach einen Berliner Namens Hartmut während der Kanalatrecke an, der gerade mit sich kämpfte und ich versuchte ihn mit den Worten, dass ich auch aus Berlin sei, etwas zu motivieren.

Über die Verpflegungstellen sagte ich ja bereits, dass alles bestens organisiert war und ich nun aber auf salzige Sachen zurückgreifen wollte. Ich konnte momentan nichts Süßes mehr sehen.

Dann kam Kilometer 25 und meine Uhr war der Meinung ihren Dienst quittierten zu müssen, irgendwie hat das mich mental extrem runter gezogen und ich hatte keinen Bock mehr! Um so schlimmer, dass gerade in diesem Moment Dvon auftauchte und mich mit Wörtern versuchte zu motivieren die ich hier besser nicht nennen möchte. Kurz um sind Dvons Motivationen fehl geschlagen, wären aber auch alle anderen, denn nur ich selbst konnte mich aus diesem Loch befreien. Nun bekam ich auch das erste und letzte Mal Informationen über Svon. Er lief auf der Laufstrecke bei Kilometer 5 und hatte Dvon kurz davor passiert.

Nach ca.1.5k versuchte ich meinen Lauf wieder aufzunehmen und da kam Andreas aus dem Münsterland und sprach mich mit Vornamen an, um mich zu motivieren. Er pushte mich und irgendwann ich ihn. Wir liefen zusammen und schleppten uns von Verpflegungstelle zu Verpflegungstelle.

In der Altstadt von Roth entdeckte ich nochmals unsere Frauen, die mich auf die letzten Kilometer schickten. Endlich konnte ich meinen Mp3 Player abgeben, den ich bereits eine Ewigkeit getragen hatte. Andreas und ich unterhielten uns und animierten uns gegenseitig. Ab Kilometer 31 verloren wir uns leider und ich wurde von Hartmut aus Berlin überholt. Diesmal sprach er mich an und ich heftete mich an seinen Fersen.

Ersaunlicher Weise konnte ich plötzlich wieder eine gute Geschwindigkeit laufen und mit Hartmut über Gott und die Welt quatschen. Ich erzählte von meinem ersten Ironman und die geplanten Sub 12h.

Die Rechnerei ging los und wenn ich diese Geschwindigkeit bis ins Ziel bringen würde, sollte das klappen. Hartmut pushte mich und unterstützte mich in meinem Vorhaben. Wir liefen nebeneinander und unterhielten uns wie Kienle und Frodeno auf Hawaii. Wir hatten sogar die Nerven, Späße über die Laufstrecke und mit den Zuschauern zu machen.

500 Meter vor dem Stadion ließ ich Hartmut ziehen, da ich den Zielkanal ganz für mich alleine haben wollte. In diesem Sinne danke ich für die Unterstützung von Andreas und Hartmut. Ohne Euch hätte ich es auf der Laufstrecke nicht geschafft.

Der größte Moment in meiner Sportlichen Laufbahn war nur noch ein paar Schritte entfernt. Auf dem roten Teppich in das Stadion einzulaufen, vom Publikum ins Ziel getragen zu werden und unter Gänsehaut und mit Tränen in den Augen beschreibt diesen Moment am Besten. In einer Zeit von 4:10h absolvierte ich die 42,195k.

Ein Finish mit 11:48:06h war besser, als ich es mir  ausgerechnet hatte. Ich bin extrem glücklich und zufrieden mit diesem Ergebnis!

Ich möchte mich bei meiner Familie, Dvon und allen anderen, die mich bei meinem Vorhaben unterstützt haben herzlich Bedanken, da ihr es mit mir ausgehalten habt!

 

Bildquelle: © Marathon-Photo.de / dastridream.de

5 Comments

  1. 👍👌Triathlon! we are Family….. das trifft auf den Ironman früher und auch heute bei der Datev-challenge in Roth zu! VIELLEICHT wird man auch nur so fasziniert/verrückt durch die vielen Zuschauer an der Strecke, und die unzähligen Supportern der Veranstaltung. Ďie den Teilnehmern zu einen unvergesslichen Tag verhelfen…. Ein toller Bericht!

    Anie

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