Kallinchen Triathlon, die mathematische Herausforderung.

10 Tage vor dem Kallinchen Triathlon war es mit meiner Ruhe vorbei. Es wurden sämtliche Daten der vergangenen Wettkämpfe komplett ausgewertet und egal wie ich es auch drehte und wendete es war immer das gleiche Ergebnis. Svon und Dvon würden mit reichlich Vorsprung aus dem Wasser kommen. Ich wusste, dass ich trotz des guten Schwimmtrainings, diese beiden nicht das Wasser reichen könnte und dementsprechend war der erste Zeitmesspunkt vor der Wechselzone der Ausgangspunkt meiner Berechnungen.

Svon schätzte ich mit ca. 5-7 Minuten und Dvon mit ca. 13-15 Minuten Vorsprung ein. Grundlage meiner Berechnungen war der Ingolstadt Triathlon und die Wettkämpfe der vergangenen Jahre.

IMG_5613Nach ewiger Rechnerei war für mich eins klar, ein Vorsprung von unter 13 Minuten ist aufzuholen. Svon hatte ich in der ersten, spätestens aber in der zweiten Laufrunde, sprich auf den ersten 3-5 Kilometern wie im vergangenen Jahr, auf meinem Rechner und Dvon sollte kurz vor dem Zieleinlauf vor mir auftauchen und ich versprach mir ein Kopf an Kopf Rennen bis über die Ziellinie. Soweit meine Theorie, doch es kommt bekanntlich immer anders, als man denkt.

Am Freitagabend reiste meine Familie und ich zum Wettkampfort und wir bezogen die Ferienwohnung. Eine kleine Runde Fußballspielen mit Max und schon hatte ich mich am Hacken des linken Fußes verletzt, irgendwie ging es nach einiger Zeit wieder. Am Samstagmorgen, nach dem aufstehen, konnte ich nicht auftreten, Schmerz! Tape und hoffen auf Besserung!

Die Wettervorhersage passte diesmal zu 100%, Top Wetter für eine kurzen Urlaub, aber für ein Triathlon doch sehr heiß, es sei den man startet auf Hawaii. Für Sonntag war trockenes heißes Sommerwetter mit bis zu 35ºC angesagt.

Wir testeten das Wasser und empfanden die 22ºC am Samstag als super optimal. Um 17:00 Uhr holten, meine Frau und ich, die Startunterlagen des DAS TriDream und wir verabredeten uns für Sonntag nach dem Frühstück.

Dvon mit Frau kamen schon früher, da es in ihrem Hotel erst ab 8:00 Uhr Frühstück gegeben hätte. Svon’s Familie und unsere Eltern waren auch angekommen und so ging es nach dem Materialcheck zu Wechselzone. Ich unterstütze Max, sein Material zu ordnen und dann ging es für ihn nach der Wettkampfbesprechung zum Schwimmstart. Max war aufgeregt und es knisterte förmlich, bevor das Startsignal ertönte.IMG_5554

Max konnte sich im Mittelfeld behaupten und kam mit einer Verbesserung der Vorjahreszeit aus dem Wasser. In der Wechselzone gab es leider ein kleines Problem mit den Schuhen und dann ging es auch für ihn auf die Radstrecke, wo er erwartungsgemäß, wie auch beim Laufen seine gute Position verteidigen und verbessern konnte. Überglücklich und mit neuer Bestzeit, hat er das Rennen gefinished.IMG_5585

Nach den ersten Gratulationen hatte ich mich dann um meinen Platz in der Wechselzone gekümmert, oder sollte man lieber Sandkasten sagen? Wir mussten auf einer großen Wiese ausgerechnet einen Platz in einem Sandloch erwischen!  🙁

Ich machte mich dann auf den Weg zum Schwimmstart, wo ich mir erlaubte eine kleine Runde zu schwimmen. Dvon kam auch unmittelbar zum einschwimmen und so wechselten wir ein paar Worte und machten ein paar Späße. Svon wollte sich in der Wechselzone auf sein Rennen vorbereiten und kam sehr spät zum Wasser herunter. Ein zwei Worte gewechselt und dann war es schon so weit!

Aufstellung und Countdown und der Landstart war vollbracht. Zwei Runden á 750m sollten es sein. Laut Training sollte ich die Distanz, wenn ich Dvon angreifen wollte, auf 35-37 Minuten absolvieren. Ein Brustschwimmer war der Meinung, mich vor der zweiten Boje „Überschwimmen“ zu müssen und ich kassierte einige Tritte am Oberkörper und Kopf, die Brille saß nicht mehr richtig und nervte mich! Erste Runde, trotz alle dem, relativ gut gemeistert und beim Landgang meine Schwimmbrille richtig aufgesetzt! In der zweiten Runde lief es auch ganz gut, meine rechte Wade wollte in einen Krampf verfallen, aber das konnte ich durch anziehen des Fußes gut kompensieren! Ich bin zwar etwas vom Kurs abgekommen aber, bis zum Blick auf die Uhr, zufrieden.IMG_5668

Der Schock folgte dann, als ich die Uhrzeit sah, 45 Minuten das war langsam, sehr langsam! Ich schrie vor Wut, über diese Leistung! Während ich mich noch fragte, wie ich die errechnete Differenz zu Dvon von mehr als 17 Minuten aufholen sollte kam ein Zuruf meiner Tochter: „Svon 2 und Dvon 10 Minuten!!!“ Wie konnte das sein? War das ein Versuch der Motivation? Sollte ich nicht aufgeben, oder stimmte etwas nicht mit der Streckenlänge? Verwirrt rannte ich, immer noch mit leichtem Schmerz im Hacken, zur Wechselzone und vollzog einen sehr langsamen Wechsel. Auf dem Rad noch einmal alles durch den Kopf gehen lassen, stimmten die Abstände dann wäre ein Angriff auf der Laufstrecke realistisch.

Energie in Form eines Gels zu mir genommen und „Feuer frei“, leichter Gegenwind, aber ansonsten lief es wie am Schnürrchen. Trinken und Energiezufuhr sollten bei diesen Temperaturen nicht vernachlässigt werden! Teilabschnitte der Radstrecke waren für mich in Punkte zur Aufnahme von Flüssigkeit eingeteilt und ein Gel gab es immer kurz vor Ende der 13 km Runde.

Kilometer 8-9 und plötzlich tauchte ein Teammitglied vor mir auf, Svon kämpfte und ich konnte es gar nicht glauben, ich hatte ihn erst auf der Laufstrecke erwartet?! Was war da los? Es kam keine Beschwerde über Probleme mit dem Material oder einem Sturz, also ein kurze Aufmunterung zugerufen und weiter!025

Kurz nach diesem Moment musste es mir ein „Carbonracer“ zeigen und lutschte ein paar Hundert Meter an meinem Hinterrad um mich in der Einängung zur zweiten Runde zu überholen und auszubremsen, ich dachte mir, so ein A….! Bringt mich in Gefahr weil er seine Bremsen testen wollte um nicht mit Maximaler Geschwindigkeit über das Kopfsteinpflaster zu fahren. Egal, abgehakt!

Dvon´s  Vorsprung war zu diesem Zeitpunkt immer noch über 8 Minuten und ich dachte mir dass er alles aus seinem Rad holen würde! Mit diesem kleinen Dämpfer, nur zwei Minuten, sollte ich auf der Radstrecke den Vorsprung auf 4 Minuten reduzieren können, leider war das nicht der Fall und so belief sich der Abstand in der Wechselzone, immer noch, über 6 Minuten!

Schnell auf die Laufstrecke und diesmal ein perfekter Wechsel, optimal um nicht zu übertreiben, ich wartete auf den ersten Metern auf das brennen und schmerzen der Waden und Oberschenkel, doch das blieb, zum Glück aus! Erstaunlicher Weise merkte ich meinen Hacken auch nicht, Adrenalin ist eine Wunderwaffe!

Ich hatte das Gefühl das jemand plötzlich die Heizung angeschmissen hatte, denn nun ging es richtig zur Sache. Auf der Radstrecke war ein guter Sonnenschutz bedingt durch die Bäume, doch auf der Laufstrecke gab es leider nur wenig Schatten.

Einen großen Dank, den Anwohnern von Kallinchen, die für Abkühlung mit Rasensprengern und Wasserschläuchen sorgten. Wasserbecher gab es auch genug, doch Obst oder Energie gab es leider nicht!

Auf der ersten Runde der Laufstrecke hatte ich mit der Atmung zu kämpfen. Ich fühlte mich extrem schwer und meinen Rhythmus fand ich erst als ich in der Ferne Dvon den Berg hinauflaufen sehen konnte!IMG_5784

Optimismus breitete sich aus, den ich auch bitter nötig hatte. Durch die Probleme mit der Atmung, war ich kurz davor gewesen einen Spaziergang einzulegen, um den Puls und die Atmung wieder in den Griff zu bekommen. Mit Gänsehaut und Zuversicht ging es dann plötzlich fast von selber. Nach ca. 3 Kilometern war der Abstand auf knapp unter 2 Minuten minimiert und ich wusste, dass es wirklich möglich ist, Dvon noch zu holen. Jede Wasserstation und jeder Wasserschlauch war meiner, um nicht bei dieser Hitze, auf den letzten 7 Kilometern, noch das Rennen wegzuwerfen!

Ich konnte plötzlich Dvon, in einigen Metern Abstand, erkennen. Er versorgte sich an einer Wasserstation und das auch ohne Hektik. Ich tat ihm gleich und versorgte mich. 100 Meter weiter, kurz vor dem Wendepunkt machten wir gemeinsam die Wende! Gelächter wegen unseren Trisuits und dem Namensaufdruck konnte ich leise wahrnehmen und dachte bei mir, dass diese Personen vielleicht auch mal etwas Sport vertragen könnten! Ich quälte mich den Anstieg hoch und durfte keine Schwächen zeigen, solange Dvon mich noch sehen konnte….

…. am liebsten wäre ich gelaufen, so erschöpft war ich.

An dieser Stelle wird es Zeit, sich bei allen Familienmitgliedern zu bedanken, die uns bei dieser Hitzeschlacht mit Ihrem Applaus und Anfeuerungen mental unterstützten und fleißig Fotos von unserem Rennen machten, Danke.IMG_5835

Nun ging es auf die dritte Laufrunde und ich bekam zu hören, dass ich Svon gleich einholen würde, okay da konnte etwas nicht stimmen, das ist nicht normal, dann hatte er doch einige Probleme! Ich forderte meine Familie auf, mich über meinen Vorsprung zu Dvon zu informieren, da ich mit einem Angriff seinerseits kurz vor Schluss rechnete!

Auf den letzten Kilometern war ich bei ca. 20-30 Sekunden Vorsprung, ich traute mich nicht, mich umzudrehen, da ich Angst hatte Dvon würde angreifen und ich hätte ihm noch nicht einmal Paroli bieten können, denn ich war am Ende meiner Kräfte! Im Zielkanal angekommen, konnte ich es nicht glauben, nach 25 Jahren „Papa bezwungen!“

Völlig fertig, nahm ich Dvon, kurze Zeit später, im Empfang und wir gratulierten uns. Meine Eltern gratulierten uns und spendierten mir das Event-T-Shirt! Wir beschlossen Svon gemeinsam über die Ziellinie zu begleiten und warteten am Anfang des Zielkanals auf ihn. Svon hatte nach dem Ziel erstmal mit seinem Kreislauf zu kämpfen und so wurde er mit Cola und Wasser versorgt.

Er wollte mit seiner Familie noch im schönen Strandbad bleiben, wobei Dvon und ich mit der Familie zur Ferienwohnung zurückkehrten. Auto beladen und noch schnell geduscht. Im Restaurant gab es dann endlich auch etwas zur Stärkung, was nicht eklig süß schmeckte!IMG_5885

Ich freue mich auf die nächsten Herausforderungen, hoffentlich komplett!!!

Bildquelle: © dastridream.de

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