Radfahren – Der Schlüssel für einen erfolgreichen Ironman

Avon ist etwas nervös. Er hat Respekt. Respekt vor 180 Kilometern Rad fahren. Wir sprachen kürzlich darüber, dass 180 Kilometer auch in Roth eine richtige Hausnummer sind. Er hat wirklich und wahrhaftig Respekt vor der Distanz.

Und das zu Recht. Ich wünschte, ich könnte sagen, das Rad fahren schafft man locker und leicht. Soooo schlimm ist es nicht und das Rad fahren vergeht wie im Flug.

Aber das Rad fahren ist tatsächlich der Schlüssel, der massgeblich mit entscheidet, ob man in Roth die Ziellinie überquert oder nicht.

Nach 1,5 Stunden werden wir vom Schwimmen auf das Rad wechseln. Mehr noch als bei einer Mittelstrecke braucht es einige Kilometer, bis man Schwimmen und Wechsel hinter sich gelassen hat und tatsächlich beim Rad fahren angekommen ist. Je nach Wetter trocknet der Trisuite schnell oder langsam und es wird – was ich nicht hoffe – noch ein zusätzliches Shirt oder eine Jacke notwendig.

Die Strecke hat einen schnellen Belag und nach zehn Kilometern kommt der Spaß, kommt die Euphorie auf. Doch es sind dann immer noch 170 Kilometer zu fahren. Gelingt es auf der olympischen Distanz noch ganz gut, überwiegend in der Aeroposition zu fahren, sieht das bei 180 Kilometern deutlich anders aus. Wir sollten im Vorfeld im Training viel auf eine optimale Lenkerpositon achten. Im Zweifel bequem vor Speed.

Roth hat eine tolle Radstrecke. Eine schnelle Radstrecke. Doch die Strecke ist alles andere als flach. Der bekannteste Anstieg ist mit Sicherheit der Solarer Berg. Aus meiner Sicht nicht der härteste Anstieg. Aber aus Sicht der Zuschauermassen der Anstieg mit der meisten Gänsehautatmosphäre. Ähnlich eng wie bei der Tour de France stehen die Zuschauer und öffnen erst kurz vor den Athleten das Spalier. Das gilt natürlich nur für den ersten Fahrer im jeweiligen “Pulk“. Mein absoluter Tipp an dieser Stelle: Wir müssen uns im Vorfeld die Strecke gut anschauen. Und – so habe ich es 2010 auch gemacht – kurz vor dem Berg einen kleinen Zwischenspurt einlegen. Es lohnt sich, denn nichts in unserem Sport ist damit zu vergleichen, diesen Berg durch dieses Spalier als Erster hochzufahren.

Wesentlich härter und anstrengender ist der Anstieg in Greding, der Kalvarienberg. Das ist ein Biest. Und wenn man oben ist und glaubt, man kann es laufen lassen, dann folgen noch einige fiese Hügel, bevor es wirklich mal ordentlich bergab geht.

Wichtig ist beim gesamten Rad fahren, nicht zu überzocken. Da nach dem Rad fahren noch ein ganzer Marathon ansteht, muss man sich die Kraft gut einteilen. Das ist bei 180 Kilometern nicht einfach, denn auch wenn man eine solche Strecke langsam fährt, ist man hinterher kaputt. Und zwar richtig.

Die letzten Kilometer der Runde ziehen sich nochmal ordentlich, man denkt, jetzt müsste ich doch endlich da sein. Und dann – die ganze Runde ein weiteres mal. Sind in der ersten Radrunde gefühlte Millionen von Zuschauern dabei, sind es in der zweiten Runde schon spürbar weniger, da viele Zuschauer bereits auf die Laufstrecke gewechselt sind.

Ich kann mich gut daran erinnern, dass sich die letzten Kilometer 2010 sehr lang gezogen haben. Im Training ist es deshalb wichtig, ein, zwei Mal auch an die Streckenlänge von 180 Kilometern zu kommen. Wichtig für den Kopf.

Die letzten 5 Kilometer heißt es dann, sich auf den Wechsel zum Laufen vorzubereiten. Nicht mehr die ganz dicken Gänge fahren, den Wechsel im Kopf durchspielen und – ganz wichtig – sich mental auf einen schnellen Wechsel einzustellen. Nichts ist gefährlicher, als den Wechsel Rad / Laufen zum ausruhen nutzen zu wollen. Es ist in einem solchen Fall nämlich extrem hart, dann in den Marathon zu starten. So geschehen 1995 bei meiner ersten Langdistanz. Über 10 Minuten saß ich im Wechselzelt, bevor ich den Willen fand, einen Marathon zu laufen.

Gut dass wir gemeinsam unser Trainingslager in Fuerteventura durchzuziehen werden. Es ist auch schön zu sehen, dass Svon und Avon bereits im Herbst und Winter radeln, auch und gerade viel Indoor. Wenn wir dann im Frühjahr noch gutes Wetter und die notwendige Zeit zum trainieren haben, sollten wir in Roth gut über die Runden kommen.

Übrigens – in Roth wird einem der Wechsel Rad / Lauf wirklich leicht gemacht. Ich erinnere mich an 2010, wo ich mit Erstaunen feststellte, dass auch den Altersklassen-Athleten die Räder nach dem Absteigen von freundlichen Händen abgenommen werden. Coole Sache und ein wirklich erstklassiger Service.

Bildquelle: (c) marathon-photos.com, dastridream.de

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