Erkner stand schon zu Beginn des Jahres als Saisonabschluss fest. Ich hatte mir den IM70.3 vorgenommen. Durch meine langen Krankheitsphase zu Beginn des Jahres war an Mitteldistanzen nicht zu denken. Weder Steinhude noch Erkner hatte ich mir zugetraut. Göttingen war somit mein letzter geplanter Wettkampf. Da ich mich gut fühlte wollte ich die Saison nicht so kurz beenden und entschied mich für Hannover, mein mixed-feeling Wettkampf. Erkner war also nicht mehr im Fokus und die Unterkunft storniert. Dennoch schaute ich auf die – etwas unübersichtliche – Ironman Homepage. Ich fand 70.3, 5150 und 4:18:4. 70.3 ist die Mitteldistanz, die anderen Distanzen sind an mir bis dato vorbeigegangen. Im Internet recherchiert und für 4:18:4 die Sprintdistanz und für 5150 die olympische Distanz gefunden. Das wäre doch eine Abschluss, dachte ich. Die Sprintdistanz war der Schwerpunkt dieses Jahr, aber würde ich vielleicht auch die olympische Distanz schaffen? Spontan angemeldet, Unterkunft wieder gebucht und Erkner stand fest.
Anfahrt mit dem Zug am Freitag nachmittag problemlos, ins Hotel eingecheckt und die Unterlagen abgeholt. Man merkte gleich, dass hier eine Ironman Veranstaltung anstand. Alles groß, professionell, und weitläufig. Am Eingang zur Startnummernabholung zunächst Lizenzcheck. Dann ging es in zur nächsten Station, Startnummernausgabe. Die T-Shirts gab es wieder woanders. Und dann quer durch die Stadt zurück zum Stadion, um den Rucksack abzuholen. Überlegte kurz, auf dieses (bezahlte) „Geschenk“ zu verzichten. Ging aber nicht, weil da die Wechselbeutel mit drin waren. Hat sich mir irgendwie nicht erschlossen, warum das nicht am gleichen Ort wie die Startnummern verteilt werden konnte.

Egal. Da der Start für 8 Uhr angesetzt war und Frühstück erst am 6, ging es zum REWE noch einkaufen. Abendessen und Frühstück. Im Hotelzimmer das Rad zusammengebaut, alles vorbereitet, Abendessen, und ich war schon um 20 Uhr im Bett.
Am nächsten morgen Wecker für kurz nach 5 gestellt. Ähnlich wie in Hannover war das mal wieder Ironman-early-wake-up Feeling. Ist früh, muss nicht sein, aber trotzdem cool. Schnell gefrühstückt, Rucksack im Hotel gelassen, und ab zum Bike Check-in. Alles auch hier eine Nummer größer als normalerweise. Man merkte schon, ist der Rahmen eines großen Rennens an dem Wochenende. Alles sehr, sehr professionell. Rad auf den Radständer, in den roten Beutel Helm und Radschuhe und Startnummer, in den blauen die Laufschuhe. Das ganz dann, ähnlich wie beim CST oder in Roth, an die entsprechenden Haken im Wechselbereich gehängt. Neo angezogen, weißen Beutel für die Wechselsachen abgegeben, dabei wieder einmal außen rum und durch die Wechselzone – war „Einbahnstrasse“ – und dann zum Wasser. Das Wasser hatte etwas über 19 Grad, aber mit Neo ist das kein Problem. Ich hatte viel Zeit zum Einschwimmen. Dummerweise hatte ich vergessen, meine Brille zu reinigen, so dass ich etwas verschmiert sah. Große weithin sichtbare Zielbögen und mit gelben (Hinweg) und orangen (Rückweg) Bojen markierte Schwimmstrecke versprach eine gute erste Disziplin ohne viel Zick-Zack. Eine Kanone als Startsignal und ab ging es. Fast wie auf Hawaii. Der Start war rollierend, heißt alle 10 Sekunden wurden 4 Athleten auf die Reise geschickt. Dadurch gab es zwar keine gewaltigen Massenstartbilder, aber das Schwimmen war gut entzerrt. Ich hatte viel Platz, auch wenn es zwischendurch mal das ein oder andere Gerangel gab. Gehört irgendwie dazu, solange man es nicht direkt ins Gesicht bekommt. Es lief gut und machte Spaß, endlich mal wieder etwas länger im Wasser zu sein.
Aussstieg aus dem Wasser und dann zum Wechselbereich. Wie bei den „großen“ Rennen auch hier umziehen nicht am Rad, sondern in einem eigenen Wechselbereich. Schuhe, Helm, Brille, Startnummer und den Neo zurück in den Wechselbeutel. Dann die Strecke zum Rad gelaufen. Auch hier hatte ich mir den Weg wieder gut eingeprägt. An der Strafraumgrenze – ja die Wechselzone war auf dem Sportplatz – links ab, zweite Reihe. Bis zur vorletzten Regenrinne des rechts stehenden Vereinsgebäude und da stand mein Rad. Ausgehängt und losgelaufen. Ich bin tatsächlich am überlegen, ob ich das mit den Schuhen am Rad mal im Training probiere. Für die Schuhe sind die ewig langen Laufstrecken nicht unbedingt gut und manchmal sammelt sich soviel Erde an den Clips, dass man Probleme beim einklinken hat. Dann ging es auf die Radstrecke. Die ersten 1,5 Kilometer waren etwas ruppig. Durch eine Großbaustelle in Erkner mussten wir auf Radwege und Bürgersteige ausweichen und in der Stadt einige engen Kurven fahren. Ich hatte Lücken nach vorn und hinten, so dass ich mir mit Niemanden ins Gehege kam. Vor den Kurven waren gut sichtbare Schilder mit Symbolen, links, rechts, oder Schikane. Und es standen genügend Helfer bereit. Bis auf eine Kurve. Das Schild zeigte eine Links-Rechts Schikane an. Ein Knäul von vielleicht zehn Helfern standen am Straßenrand, aber ohne die Richtung zu zeigen. Also links in die Straße gebogen und rechts auf den Radweg gedonnert. Und dann – Vollbremsung. Denn die Kurve war NUR eine Linkskurve und nicht die angezeigte Schikane (ich habe das nach dem Rennen extra geprüft) und die zehn Hansels waren überflüßig wie sonst was. Ich fädelte mich wieder auf die Straße ein, gab Gas und fluchte irgendwas an die „Helfer“. Klingt vielleicht witzig, aber wenn auf dem Radweg irgendjemand gestanden hätte, oder gerade da lang gegangen wäre, wäre ich voll in die hinhingedonnert. Nicht. Witzig. Doch weiter ging’s. Nachdem Erkner hinter mir lag wurde die Straße besser, später sogar richtig gut. Flach ist die Strecke allerdings nicht, wie man an den 1617 Höhenmetern sieht. Spaß, es waren nur 106 Höhenmeter, warum meine Fenix dermaßen daneben liegt, keine Ahnung. Die Fahrt selbst war endlich mal wieder eine „längere“ Distanz über 40 Kilometer. Auf den guten Abschnitten machte es Spaß, in der Aeroposition zu fahren.
Trotz des rollenden Startes war die Radstrecke doch voller, als ich gedacht hatte. Es war eine 20 Kilometer Wendepunktstrecke, also kein ewiges Kreisgefahre wie in Hannover. Dennoch sieht man, dass sich des öfteren Athleten hinter mir eingereiht haben. Es sieht, bis auf den vierten Fahrer, halbwegs legal aus. Nummer vier sitzt Nummer drei ordentlich im Nacken, sprich Windschatten. Allerdings nicht so extrem wie mein Freund Franz (Nummer bekannt). Der hätte den Akku meine SRAM Schaltung während der Fahrt wechseln können, so nah war der. Für so eine lange Strecke waren dann eindeutig zu wenig Kampfrichter unterwegs. Ich habe in der ganzen Zeit einen einzigen gesehen. Zurück zur Strecke. Wende und zurück zur Wechselzone. Passabler Schnitt für mein Level und die Distanz. Es machte einfach Spaß und in mir reifte der Gedanke, dass 2026 die Radstrecke durchaus länger sein könnte …
Wechsel. Zweites Fallrohr links und rechts das Rad auf den Punkt eingehängt. Laufen bis zum Wechselbeutel, dabei kurz daran gedacht, es nächstes Jahr mal zu probieren mit den Schuhen am Rad, Wechsel und raus zu Laufen. Die Wechselzone war lang und irgendwie sah ich nicht, wo die 10 Kilometer los gingen. Viele Zuschauer an der Strecke, das war toll. Es waren zwei Runden zu drehen. Und ich hatte Durst. Kilometer um Kilometer verging, keine Verpflegungspunkt. Der kam kurz vor Kilometer 5. Wasser, ISO und Cola. Das war gut. Warum sie den VP aber nicht an der Rundenkreuzung aufgebaut haben, verstehe ich nicht. So hätte man 3 mal tanken können, so musste man bis fast 5 Kilometer warten und hatte beim zweiten Tanken dann eigentlich nur noch den letzten Kilometer vor sich. Was wie jammern auf hohem Niveau klingt, war bei den warmen Temperaturen schon blöd. Ich hätte kurz vor dem Radwechsel wohl was trinken müssen. Gut war das Dixi auf der Hälfte der Strecke. So konnte ich trotz der vielen Zuschauer mal fix was laufen lassen.

10 Kilometer im Triathlon war ich dieses Jahr noch nicht gelaufen. Erfreulicherweise ging es gut. Halbwegs okay vom Tempo und ohne Gehpausen. Das war das beste. Natürlich bin ich seit 2014 schon deutlich über 15 Minuten schneller gelaufen, aber das ist kein Vergleich. Mit 03:12:43 war ich zufrieden. 10 Minuten langsamer als letztes Jahr in Hannover, aber durchaus mit der Hoffnung, nächstes Jahr die 3 Stunden mal wieder zu unterbieten.
Dann der Zieleinlauf. Wirklich professionell auf dem Ironman Teppich. Einen kleinen Gruß an Roth und die Challenge Familie konnte ich mir dann aber doch nicht verkneifen 🙂

Ich hatte die Zielgasse mal wieder für mich allein und der Moderator an der Ziellinie fragte mich gleich nach dem Einlauf, wie es war. Toller Wettkampf meinte ich und schob einen Gruß an Franz, den Drafter, hinterher. Ich hätte auch sagen können, dass ich – hier gehen mir viele Dinge durch den Kopf, aber ich lass das mal unerwähnt – und er brüllte nur ins Mikrofon, „Gruß an Franz! Der Franz der kann’s!“. Pein. Lich. Egal, abhaken und einfach Stolz auf die eigene Leistung sein. Ab in den Zielraum. Was bei dem Preis nicht professionell war, das war die Zielverpflegung. Ging so, aber wenig Auswahl. Da fahren kleine, von Vereinen direkt organisierte Wettkämpfe manchmal deutlich mehr auf.
Alles in allem ein schöner Wettkampf, der preislich oben liegt es aber Dank T-Shirt und Rucksack halbwegs akzeptabel ist. Ist auch für 2026 eine Überlegung wert. Die Erinnerungen darüber werden mich auch den Winter begleiten, insbesondere auch wegen der tollen Fotos. Im übrigen arbeiten die mittlerweile sehr professionell mit KI. Man macht ein Selfie von sich und das System sucht alle Bilder von einem raus. MIT Neo und Schwimmbrille. MIT Helm und Sonnenbrille. Echt Wahnsinn. Und nun schaut Euch nochmal in Ruhe die tollen Bilder an und fangt mit der Wettkampfplanung 2026 an ..
P.S.: Für unsere Aktion Spenden4Kinder war ich ja dieses Jahr etwas zurückhaltend. Habe soeben 30 Euro überwiesen …
Bildquelle: (c) sportograf.com



Herzlichen Glückwunsch zur Olympischen Distanz, dein Artikel lässt auf jeden Fall meine Gedanken….. ach du weißt schon. Gut gemacht.
Na, da kommt doch morgen noch etwas mehr, oder?