Das Hotel lag direkt ums Eck, Svon war schnell getroffen – ein guter Start in den Renntag. Schade, dass Avon krankheitsbedingt ausfiel. Svon hatte am Vortag extra die Startnummer für mich abgeholt. Gepäck hatte ich vorab im Schließfach in Spandau deponiert, die Rückreise war organisiert. Alles geregelt, nichts mehr im Kopf außer dem Rennen.
Und dann: Berlin. Das Olympiastadion. Tausende Starter. Ich habe mich ernsthaft gefragt, warum ich noch nie hier war.
Die Atmosphäre war schon vor dem Start einfach besonders – dieses Gefühl, dass der Ort selbst etwas mitbringt. Geschichte, Größe, Energie. Gestartet bin ich in Block 1. Halbmarathon und 10 km starten gemeinsam, Svon hatte sich nur weiter hinten einsortiert, also liefen wir de facto getrennt. Und ja, ich hatte vor dem Start etwas gemacht, was man eigentlich nicht tun sollte – neue Schuhe mit gerade mal 11 km drauf.
Start. Los.
Überraschend wenig Gedränge. Ich fand direkt einen Rhythmus und lief einfach los. Die Rennstrategie hatte ich vorab gemeinsam mit KI erarbeitet – nach dem München-Halbmarathon wusste ich, dass ich konstant durchlaufen kann. Diesmal wollte ich nicht nur konstant sein, sondern konstant schneller. Klingt simpel, ist es nicht immer.
Die Strecke hat mir gut gefallen. 99 % Asphalt, nicht ganz eben, aber klar auf Speed ausgelegt. Die Heerstraße zieht sich als lange Gerade bis zur Hälfte leicht bergab – was sich danach natürlich umkehrt. In der großen Gruppe hatte man trotzdem überraschend viel Platz, und der Windschutz durch die Masse war deutlich spürbar. Das merkt man erst so richtig in der zweiten Runde, wenn die 10-km-Läufer abzweigen und es auf einmal leerer wird.
Zuschauer gab es viele, mit Plakaten, Lärm und guter Stimmung. Das witzigste Schild seht ihr unten – jemand hatte es für Avon gemacht, der ja leider nicht da war. Hat trotzdem für ein Schmunzeln gesorgt.
Die Temperatur lag bei etwa 8 Grad, absolut ideal. Es wurde im Laufe des Rennens sogar etwas wärmer, sodass ich am Ende der ersten Runde eines von zwei Shirts auszog und es an ein Gitter verknotete – kurz vor dem Ziel hab ich’s dann wieder eingesammelt. Schnitt nach 10 km: rund 6:40, genau im Plan.
Zweite Runde.
Leerer, aber nicht leer. Ich nahm in Summe zwei Gels und etwas Wasser an den Stationen – plus eine kurze Dixi-Pause, die den einzigen Kilometer über 7 Minuten erklärt. Zur Verpflegung generell: da ist Luft nach oben. Im Triathlon weiß man genau, wann eine Station kommt. Hier tauchten sie einfach auf, ohne große Vorankündigung – bei dieser Starterzahl ist das wohl schwer anders zu lösen, aber man kann sich beim Triathlon deutlich besser darauf vorbereiten.
Was mich kurz wunderte, war meine eigene Konstanz. Aber irgendwann hörte ich auf, darüber nachzudenken – weil es einfach herrlich war, hier zu laufen. Kein Gedanke an die Schuhe, kein Gedanke ans Tempo. Ich hörte in mich rein und da war wirklich nichts außer Flow.
Kurz vor dem Ziel gibt es noch eine kleine Extrarunde für den Halbmarathon – die fand ich ehrlich gesagt nicht optimal, weil die 25-km-Läufer direkt ins Stadion laufen dürfen. Besser wäre sie am Anfang dedr zweiten Runde aufgehoben. Aber dann kamen die Katakomben, die Trommler – laut, richtig laut, das Trommelfell vibriert – und das Tor öffnete sich.
Man läuft auf die blaue Bahn des Olympiastadions. Einfach Hammer.
Ein kleiner Schlussspurt, wirklich nur klein, und dann das Ziel: 2:21:48 Stunden. Ziel erreicht.
Kein Rekord, keine Bestzeit – aber das Beste, was ich in den letzten Jahren gelaufen bin. Und das in Berlin, mit dieser Atmosphäre, auf dieser Strecke. Ich komme wieder, das ist sicher.
Danke an Svon – für die Startnummer, für’s Dasein, für alles. Nächstes Jahr sind wir alle drei hier, auf der Halbmarathon-Strecke.
Bildquelle: (c) dastridream.de



Man, wie habe ich mich gefreut, bei diesem Lauf nach über 10 Jahren zu starten, so n Mist😪! Schön für mich ist trotz allem, dass es Euch so gefallen hat und ich nicht zu viel, mit dem Stadioneinlauf, versprochen habe. Richtig gut eure Zeiten und zum finishen mein herzlichen Glückwunsch.