Nach dem gemeinsamen 10-Kilometer-Lauf mit Avon Anfang März in Britz habe ich am letzten Wochenende die 73,3 Wettkampfkilometer dieses Jahr vollgemacht. Mein dritter Halbmarathon nach München und Berlin fand vor meiner Haustür statt. 10 Uhr Start, 09:30 Uhr aus dem Haus, besser geht wirklich nicht. Das Wetter war schön, Sonne und blauer Himmel. Aber, wie sich später herausstellte, zu warm.
Start war im Jahnstadion. Zirka 2000 Starter gingen ab 10 Uhr in 6 Blöcken im Abstand von 3 Minuten auf die Strecke. Ich sortierte mich irgendwo in Block C oder D ein. Für den Start war das perfekt, denn die Strecke ist in Summe sehr schmal, kein Vergleich zur Heerstraße. Ich hatte mir die neue Streckenführung vorher angeschaut und mir war klar, das wird eng. Denn die gute Idee einer großen Schleife wurde durch das Zusammenführen der Hin- und Rückstrecke 5 Kilometer nach dem Start ad absurdum geführt. Das konnte man im Vorfeld berechnen. 6 Startgruppen, die erste Gruppe der schnellen Läufer hatte somit 18 Minuten Vorsprung. 5 Kilometer auf der selben Strecke bedeuten weitere 30 Minuten, macht 48 Minuten. Die schnellsten brauchen bis zur Zusammenführung aber nur ca. 42 Minuten. Und so kam es, dass ich trotz Start in der mittleren Gruppe kurz vor der Weggabelung den ersten Gegenverkehr hatte. Man kann sich ausmalen, was die beiden letzteren Gruppen hatten. Also Vorschlag für die Zukunft: die Rückstrecke auf der anderen Flussseite entlangführen und erst an der Wiesenstraße zusammenführen. Für mein Rennen hatte es allerdings keine großen Auswirkungen. Ich bin gerade noch so durchgerutscht, bevor die großen Gruppen kamen.
Zurück auf die Strecke. Die Verpflegungspunkte hatten zunächst nur Wasser, später auch ISO und Bananen. Ich hatte zwei Gels dabei, dafür war der erste Verpflegungspunkt zu früh und der zweite zu spät. Aber den Ernährungsplan aller Läufer kann man nicht berücksichtigen. Anders als 2024 war die Strecke recht flach, kein steiler Anstieg. Dafür lauerte eine andere Gefahr, und sie erwischte so einige Läufer. Ab Kilometer 15 ging es durch die Stadt, genauer durchs Güterverkehrszentrum (GVZ). Schneller Asphalt. Doch Gebäude links und rechts sowie fehlender Schatten heizten diesen Teil der Strecke ordentlich ein. Ich habe die Temperatur nicht gemessen, aber es fühlte sich heiß an. Ich sah in Summe mehr als ein halbes Dutzend Läufer kollabieren. Schwankend von links nach rechts, auf dem Boden halb liegend, im Krankenwagen. Ganz ehrlich, das hat mich erschreckt. So viele Wettkämpfer in diesem Zustand habe ich noch nie bei einem Wettkampf gesehen. Was war da los? Soweit ich weiß, scheint keiner ernsthaft zusammengebrochen zu sein. Aber ganz ehrlich, mich hat das völlig erschüttert. Habe ich so noch nie erlebt. Vielleicht hilft ein zusätzlicher Verpflegungspunkt im GVZ mit ISO und Salztabletten. Vielleicht ist die Strecke übers GVZ doch keine gute Idee. Ich weiß es nicht, sollte man sich aber genauer anschauen für 2027.
Für mich endete der Wettkampf im Ziel bei 2:23:37 h wie in etwa geplant. Die Rennstrategie hatte ich wie immer unter der Woche mit der KI besprochen. Das Gespräch sah dann so aus:
Claude: Göttingen Samstag: geh rein, lauf konstant, 7:00 ist Untergrenze.
Ich: Göttingen ist Sonntag.
Claude: Sonntag natürlich. Dann hast du sogar noch einen Tag mehr: Freitag locker, Samstag komplett frei, Sonntag frisch an den Start.
Ich: Naja. Freitag 5-6 km, okay. Samstag wollte ich aber aufs Rad.
Claude: Rad am Samstag vor dem Rennen, wie lang hast du dir vorgestellt? 30-40 min locker wäre okay, aber ich würde nicht nochmal 65 km drauflegen. 😄
Ich: 40 km.
Claude: Das würde ich nicht machen. 40 km am Tag vor dem Rennen kostet dich am Sonntag spürbar, die Beine werden schwer sein, genau in dem Moment wo du sie brauchst. Wenn du unbedingt aufs Rad willst: 20-25 km, wirklich locker, mehr Ausrollen als Training. Aber ehrlich gesagt wäre komplett frei die bessere Wahl.
Ich: Eigentlich 60 km.
Claude: Nein.
Ich: Doch.
Claude: Du kannst natürlich machen was du willst, aber dann setz das Ziel für Sonntag entsprechend runter. 60 km Rad am Samstag und 7:00 min/km konstant am Sonntag wird schwierig zu kombinieren. Das haben wir ja in den Daten gesehen: nach dem Radblock waren die ersten zwei Läufe bei HF 122 und 118, nicht bei Rennpace.
Ich: Pass auf, es ist doch ein idealer Test für Arendsee. München und Berlin haben gezeigt, dass ich einen HM laufen, bzw. sogar schneller laufen kann. Aber das war ausgeruht. Wie sieht die Leistung unter Last aus? Weißt du das?
Claude: Das ist eigentlich ein guter Gedanke, und nein, das wissen wir nicht. Wir haben keine Daten, wie du einen HM unter akkumulierter Radlast läufst. Für Arendsee ist genau das aber der Kerntest: nach 90 km Rad noch 21 km laufen. Göttingen nach 60 km Rad wäre also eine valide Simulation, nicht identisch mit Arendsee, aber näher dran als ausgeruht laufen. Dann aber die Erwartung entsprechend anpassen: nicht 7:00 als Ziel, sondern HF-gesteuert laufen und schauen, was bei welcher HF noch geht. Das wäre wertvoller als eine Zeitangabe.
Also letztendlich habe ich mich durchgesetzt und bin am Samstag tatsächlich noch 65 km Rad gefahren. Und nein, ich hatte keinen Einbruch auf der Laufstrecke sondern bin den Kilometer sogar in 06:48 min gelaufen, schneller als München. Insofern Test bestanden, und am 21. Juni dann Arendsee Mitteldistanz. Jetzt heißt es, bis dahin dranzubleiben, da hilft 26×26, und gesund bleiben, da hilft eine Mütze und ein Schal, auch im Mai und Juni. Bis dahin stehen auch noch zwei kurze Wettkämpfe auf dem Plan. Also Blick voraus und machen wir aus 2026 ein gutes Jahr.
Bildquelle: (c) dastridream.de