Aufgeben ist keine Option

Gekämpft bis zum Schluss. Nicht aufgegeben und auch wenn es auf der Laufstrecke viele Gehpausen gab, ans Aufgeben habe ich nicht eine Minute einen Gedanken verschwendet. Aufgeben war keine Option.

Das ist die Kurzversion meines Wettkampfes beim Steinhuder Meer Triathlon. Es war ein langer Wettkampf, über 7 Stunden und in keiner der Disziplinen habe ich mich besonders gut geschlagen. Aber ganz ehrlich, das ist mir heute, ein paar Tage nach dem Wettkampf, völlig egal. Meine letzten Triathlons habe ich vor zwei Jahren absolviert, zwei olympische Distanzen in Roth und am Wörthsee. Mit Zeiten, die auch weit, weit weg von allem waren, was ich davor die Jahre abgeliefert habe. Auch letztes Jahr gab es kein kontinuierliches Training. Und genau das ist die eigentliche Leistung, dass ich es seit Jahren wieder mal geschafft habe, kontinuierlich zu trainieren, so dass ich eine Mittelstrecke zumindest bis ins Ziel bringe.

Früh morgens in Ruhe gefrühstückt, denn die Startnummer hatte ich schon am Vortag geholt. Gegen 8 Uhr das Rad eingecheckt, Start war um 09:10 Uhr angesetzt. Beim Betreten der Wechselzone dann der (einzige) Negativ-Höhepunkt an diesem Tag. Die Wechselzone war ein Acker. Und ich meine wirklich ein Acker: matschig, stoppelig, sandig-feucht mit Ackerboden, der jetzt noch unter den Radschuhen, im Neoprenanzug, den Laufschuhen und am Rad klebt. Die Zuwege, auch vom Wasser, waren alle mit blauen Teppich perfekt abgeklebt. Die Wechselzone aber war ein Acker, der mir die Lust auf den Wettkampf ordentlich vermieste. Die Radständer waren zu eng aneinander. Die Wechselzone war ein riesiges Manko, dass so kein zweites Mal auftreten darf.

Der Start um 09:10 Uhr, ich war in der zweiten Gruppe, war ein Wasserstart. 18°C Wassertemperatur waren dank Neo gut auszuhalten. Das Steinhuder Meer ist ein sehr mooriger See. Sichtweise im Wasser genau null Meter. Ich muss zugeben, ich vermisse meinen Wörthsee und meinen Ammersee. Auf dem Hinweg, die Sonne im Rücken, verlief der erste Teil sehr gut und geradlinig was man auch an den Garmin Aufzeichnungen sieht. Zurück dann mit Sonne von vorn und keinen Anhaltspunkt, wo es überhaupt hingehen soll. Es gab zwar markante Punkte an Land, aber welcher führt zum Schwimmausstieg? Irgendwie habe ich das Ziel dann doch recht gut gefunden, einige kleine Zick-Zack Einlagen gab es aber gratis dazu.

Schwimmausstieg nach 38 Minuten waren gut, allerdings scheinen die letzten Jahre alle Schwimmen gelernt zu haben, denn diese Zeit reichte nur zum hinteren Mittelfeld.

Beim Wechsel auf dem Acker ließ ich mir viel Zeit, ich wollte nicht zu viel Erde mitnehmen. Ganz gelungen ist das nicht, wie man auf dem Foto erkennen kann.

Ab aufs Rad und 3 Runden a 27 Kilometer in Angriff genommen, auch wenn es laut Tacho deutlich weniger waren. Für die Radstrecke braucht es nur ein Wort: Hammer. Abgesehen von den Ortsdurchfahrten war die Strecke verdammt schnell. Toller Belag und die Hügel weniger hart, als das Video vorab vermuten ließ. Mein neues Rad lief super und ich hatte eine Menge Spaß.

Die Fahrt fühlte sich viel schneller an, als der Tacho im Nachgang zeigte. Die Streckenlänge laut Tacho (Garmin Uhr) war 75,6 km. Nochmal am Computer in Komoot die GPS Daten der Radstrecken hochgeladen, kam ich auf 82,7 km. Nun, für den Ausgang des Rennens macht das keinen Unterschied, aber für den Kilometerschnitt. Auf der letzten Runde wurde es dann einsam, ich war wahrlich nicht schnell unterwegs und die Radzeit ist keine Erwähnung wert. Aber es hat unglaublich viel Spaß gemacht auf dieser Strecke zu fahren.

Als ich auf dem Wechselacker ankam, waren gerade die beiden Führenden ins Ziel gekommen. So ein Rückstand ist für den Kopf sehr, sehr schwer zu ertragen. Mein Rad- und Schwimmtempo fühlten sich nicht langsam an. Aber offensichtlich waren sie es. Hinzukommt meiner Meinung nach, ein immer höheres Leistungsniveau der Teilnehmer. Ich habe den Eindruck, bis vielleicht auf der Volksdistanz, nehmen an Wettkämpfen nur noch top trainierte Athleten teil. Durchschnittssportler mit Bauchansatz sterben offenbar aus.

Jedenfalls auf auf die Laufstrecke und den Halbmarathon mit 3 Runden a 7 Kilometer angegangen. Verpflegung war gut, Wasser, ISO und Cola und Gels. Vermisst habe ich etwas festere Nahrung, Bananen, Obst und ähnliches. Die Sonne knallte von oben jetzt richtig heftig. Wie beim Radfahren war es sehr voll auf Runde 1. Für die Zuschauer war nicht ersichtlich, wer auf welcher Runde war. Die ermunternden Rufe “Du hast es gleich geschafft!” sind wirklich anfeuernd gemeint gewesen. Für jemanden wie mich, der noch auf der ersten Runde war, bewirkten sie aber das Gegenteil. Ich musste da durch, ich wollte ins Ziel, egal wie lange es dauern würde. Auch nach Runde 2 bog ich nicht Richtung Ziel ab. Ich wollte das Ding zu Ende bringen. Und ich habe es geschafft. Viele Gehpausen später, konnte ich nach über 7 Stunden dann endlich die Ziellinie überqueren. Die Stimmung war noch sehr gut, warteten die Zuschauer auf die Teilnehmer der Sprintdistanz. So gab es auch vom Sprecher kein Kommentar zu mir, was mir aber völlig egal war. Ich hatte diesen Wettkampf für mich absolviert. Und ins Ziel gebracht.

Für mich bedeutet das letztendlich, ein Ironman ist noch ein Ziel für mich. Hier braucht es aber noch mehr Vorbereitung, so dass ich 2025 auf der Mittelstrecke bleiben werde. Und deutlich weiter vorne landen werde, als dieses Jahr.

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Bildquelle: (c) marathon-photos.com

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