Du.Schaffst.Das.

17. November 1999, Wanaka, Neuseeland.

4000 Meter hoch in den Wolken. Ich hänge komplett aus dem Flugzeug und grinse verkrampft auf Dave’s Kommando “Big smile for the camera” in die an der Tragfläche befestigte Kamera. Oh.Mein.Gott. Wie bin ich bloß hierher gekommen? Was habe ich mir dabei gedacht? Ich muss ja völlig bescheuert sein.

SkydivingNun. “Hierher” gekommen  bin ich mit Singapore Airlines und einem 24-stündigen Flug, um eine Schulfreundin zu besuchen. Rennrad im Gepäck und Neuseeland auf eigene Faust erkundet. Großartiges Land.

Eines Tages ging es dann während einer gemeinsamen Inseltour mit dem Auto nach Wanaka. Paddeln oder Fallschirmspringen war angesagt. Ohne lange zu überlegen entschied ich mich für den Sprung. Das Wetter war günstig und vier Tandempärchen stiegen in die Einmotorige Maschine und los ging es.

Dann stoppte die Maschine. Wolken kamen auf. Wir mussten zurück und wurden auf den nächsten Tag vertröstet.

24 Stunden Zeit zum Nachdenken. Wozu hatte ich mich bloß hinreißen lassen? Ein Sprung aus diesem klapprigen Flugzeug? Was habe ich mir dabei gedacht?

Deutlich weniger entspannt stieg ich dann am nächsten Tag wieder in den Flieger. Vier Pärchen. Und los ging es. Wir saßen direkt auf dem Fußboden, zwei Pärchen in die eine, zwei in die andere Richtung. Zwischen uns und “draußen” nur eine dünne Plane. Man kann sie aufgerollt sehen, wenn man genau hinschaut.

Keiner sagte etwas. Nach vielleicht 30 Minuten bei einer Höhe von 3000 Metern rollte einer der Tandemmaster das Rollo hoch. Der Blick ging ins Freie. Und ins Leere. Das erste Pärchen sprang. Und weg waren sie. Dann das zweite Pärchen. Weg. Und dann meine Schulfreundin. Und weg war auch sie. Mein Tandemmaster rollte die Plane wieder runter. Im Gegensatz zu den anderen Pärchen hatte ich mich für eine Höhe von 4000 Metern entschieden.

Skydiving 1Die Maschine brauchte weitere 15 Minuten um die Höhe zu erreichen. Ich sah ins Flugzeug. Ich realisierte: Meine Mitspringer waren weg. Sie waren wirklich gesprungen. Einfach fort. Ich hatte nun ganz allein Zeit, mir das alles auszumalen. Und mir ging der A…. wahnsinnig auf Grundeis. Wieder runter mit dem Flieger? Abbrechen? Ich war kurz davor.

Dave rollte die Plane hoch. Ich schaute runter. Oh.Mein.Gott. Er wuchtete mich über den Rand und sagte, ich solle in die Kamera grinsen.

War mir nicht nach zumute. “Big Banana Position” kam sein Befehl und ich krümmte mich wie eine Banane. Was mache ich hier? Und Dave sprang.

Wie stürzten auf die Erde zu. 30,40,50 Sekunden. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Tausend morbide Gedanken rasten durch meinen Kopf. Eine gefühlte Ewigkeit und die Erde kam immer näher. Und näher. Und näher.

Und plötzlich, mit einem Ruck, ging der Fallschirm auf. Grandios! Ich hatte überlebt. Dave auch. Alles war okay und der Ausblick atemberaubend. Ein Erlebnis für’s Leben.

Aber eines war mir danach klar. Ich würde nie, nie, niemals jemanden überreden, einen Fallschirmsprung zu machen. Anbieten, Fragen, Vorschlagen – ja. Aber nie überreden. Dazu war dieses Erlebnis zu intensiv.

12. Juni 2016, Ingolstadt, Deutschland

DAS TriDream gemeinsam am Start des Triathlon Ingolstadt. Die Distanz: 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und 10 Kilometer Laufen. Olympisch.

Und Du bist mit dabei. Im Gegensatz zu Wanaka und einem Sprung aus 4000 Meter Höhe habe ich Dich überredet, für die olympische Distanz zu melden. Wanaka zeigt, dass ich niemanden zu unmöglichen Herausforderungen überrede. Doch Ingolstadt olympisch ist eine machbare Herausforderung.

Das Geheimnis des Finishen liegt im Tempo, in der Einteilung der Kräfte, der mentalen Fokussierung. Das können Dir Avon und Svon sicher bestätigen.

2014 bei der Sprintdistanz bis Du ans Limit gegangen und warst am Ende k.o. Das sind wir alle. Auch wenn wir Lang- oder Mitteldistanzen absolvieren, sind wir nach einer Sprintdistanz auch fix und fertig. Weil die Geschwindigkeit eine andere ist, das Tempo höher, die Dynamik härter.

Insofern bin ich absolut überzeugt, dass Du die olympische Distanz schaffst. In einer guten Zeit. Du.Schaffst.Das.

Du musst nur Springen.

Bildquelle: (c) Skydive Wanaka

 

6 Kommentare

  1. Lieber Dvon!
    Jetzt bin ich erstmal sprachlos…soll ich jetzt erstmal zum Ausdruck bringen wie froh ich bin, dass Du mich jetzt nicht auch noch zu einem Sprung aus dem Flugzeug überreden willst? Da wären deine Chancen 1999 defintiv besser gewesen…im Alter werden wir Frauen nämlich immer ängstlicher.

    Du hast vollkommen recht – olympische Distanz ist zu schaffen und wäre ein Traum. Ich hätte nur ganz gerne 1 Jahr mehr Zeit. Du schreibst – 2014 war die Sprintdistanz…ne ne…das war erst 2015!!!

    Mit deinem Beitrag hast du es zumindest geschafft, dass ich “noch” nicht absage, aber ich verspreche auch nicht zuzusagen für die Olymipische Distanz . Ich verspreche nur eins – ICH BIN IN INGOLSTADT DABEI!

    susan susan
  2. Gut. ..aus meiner Sicht ist das mit dem Flugzeug bei 4000 m nur Kinderkram! Dazu werde ich mich wohl auch mal in einem Artikel auslassen.
    Aber eine Olympische Distanz ist dazu nur ein 1Meter Brett. Das schaffst du doch ganz locker! Übernächstes Jahr ist doch die Mittelstrecke für dich geplant. 😉

    avon avon

Schreibe einen Kommentar zu avon Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.