… bis es knallt

Man muss kein Hellseher sein, um zu erahnen, dass GARMIN demnächst einige Kunden verlieren wird. Wie viele es sein werden, wird maßgeblich davon abhängen, ob Garmin die Kundendaten und hier insbesondere die Aktivitäten, wieder herstellen kann. Sämtliche Garmin Server sind seit Tagen offline und man vermutet, dass es einen Hackerangriff mit Ransomware gab. Das ist Software, die Daten verschlüsselt und man kommt, wenn überhaupt, nur durch Zahlung von Geld an die Erpresser an den Schlüssel zur Entschlüsselung. Kann jedem passieren und passiert auch jeden Tag, auch Privatpersonen. Sollte Firmen, deren Geschäftsmodell Kundendaten sind, nicht passieren. Passiert aber.

Und nun kommen wir zum eigentlich spannenden Thema, dem Vendor Lock-In. Was ist denn eigentlich Vendor Lock-In? Ich zitiere hier mal die englische Wikipedia, weil die Quellen seriöser sind, als in der deutschen:

In economics, vendor lock-in, also known as proprietary lock-in or customer lock-in, makes a customer dependent on a vendor for products and services, unable to use another vendor without substantial switching costs.

Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Vendor_lock-in

Okay. Garmin ist nicht die einzige Firma, die das macht. Es fängt damit an, dass die Aktivitäten in einer Fit-Datei gespeichert werden. Die kann man aber nicht so ohne weiteres öffnen. Es gibt Tools, mit denn kann man sie konvertieren, aber das bedeutet Aufwand und Informationsverlust. Zweitens, funktionieren die System nur im Zusammenspiel. Update der Uhrenfirmware geht nicht ohne proprietäre Garmin Software und Cloudanbindung. Für mich als Linux-Nutzer schon ein Problem, weil es Garmin Express nicht für Linux gibt.

Vor Jahren hat Garmin die API (Programmierschnittstelle) geändert und die Kosten für die Nutzung / Registrierung von 100$ auf 5000$ erhöht, soweit ich mich erinnere. Ich habe das seinerseits gelesen, fand das unverschämt weil man Privatanwendern und Open Source Entwicklern eine hohe Hürde gebaut hat. Ich hatte mich dann damals entschieden meine Trainingsdaten m Reanuell in meine Trainingsliste einzutragen, da ich die Analysefunktionen bei Garmin stark verbesserungswürdig fand und heute auch noch finde. Wie der aktuelle Stand dort ist, habe ich nicht weiter verfolgt.

Konsequenz davon ist, dass man mit Garmin Connect leben muss. Massendatenexport zur weiteren Analyse sind nicht möglich und iregndwann hat man auch keine Lust mehr, die Daten einzeln zu exportieren und/oder zu konvertieren. Und aus Beqeumlichkeit bleibt man dabei. Die nächste Uhr ist wieder ein Garmin, weil man ja alle sein Daten dort hat und es wäre ein großer Aufwand, umzusteigen.

Kann man so machen und viele Firmen machen das auch so. Und es funktioniert ja auch. Warum soll ich offene Standards nutzen? Warum soll ich durch Leistung und Ideen punkten, wenn ich meine Kunden durch einen Lock-In halten kann? Warum soll ich mich zusätzlichem Wettbewerb stellen? Dann müsste ich ja dafür sorgen, dass meine gesamte Produktpalette wirklich überragend ist.

Nochmal, das machen andere Firmen auch. Microsoft ist da ein gutes Beispiel. Und es gibt tausende andere. Das funktioniert ja auch super …. bis es knallt.

Bei Garmin gab es jetzt diesen Knall. Es bliebt abzuwarten, wie laut der wirklich ist. Aber stellt Euch vor, dass wirklich ALLE Nutzerdaten, alle Aktivitäten weg sind. Die Kunden fangen dann an zu überlegen, ob es nicht Alternativen gibt. Insbesondere wenn der Kauf einer neuen Uhr ansteht, gibt es eigentlich dann keinen Grund mehr, sich nicht auch woanders umzusehen. Vielleicht wieder eine Polar? Oder ein Suunto?

Für uns private Nutzer bringt dieser Ausfall kleine bis große Unannehmlichkeiten, je nach Situation. Für Garmin geht’s um die Existenz.

Bildquelle: (c) Screenshot Garmin https://connect.garmin.com/modern/

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