Adidas zeigt wie es geht

… ein Unternehmen zu zerlegen. Würde ich adidas Aktien besitzen, dann würde ich schauen, diese zeitnah zu verkaufen. Denn adidas wird in den nächsten zehn Jahren den Bach runter gehen, davon bin ich überzeugt. Wie komme ich dazu? Nun, ich habe heute mal wieder die Runtastic App für eine kleine Wanderung genutzt, da meine Garmin Uhr geladen wurde. Zuhause wollte ich mir die Route am Notebook ansehen, doch ich fand die Webdarstellung nicht, soviel ich auch suchte. Schließlich wurde ich in den News von Runtastic fündig (Quelle: https://help.runtastic.com/hc/de/articles/360007616099-WEB-ENTWICKLUNG-EINGESTELLT):

WEB ENTWICKLUNG EINGESTELLT

Wir verabschieden uns von den adidas Runtastic Web-Features!

Damit du weiterhin von der bestmöglichen Benutzererfahrung in unseren Lauf- und Trainingsapps profitieren kannst, verlegen wir unseren Schwerpunkt vom Web in die Weiterentwicklung unserer Mobile Apps. 

Wir sind davon überzeugt, dass die Zeit, Energie und Leidenschaft, die wir in die Verbesserung unserer Apps investieren, diesen Schritt wert sind.

Kurz Luft geholt. Und dann ohne Wort gestaunt über diesen Text. Damit meine Nutzererfahrung besser wird, killen sie genau die Funktion, in der ich am liebsten Daten und Strecken analysiere (bzw. früher analysiert habe). Über soviel ***** (hier fällt mir partout einfach kein Wort ein) kann ich nur den Kopf schütteln und mir mit dem Finger an die Stirn tippen.

Schauen wir uns mal meine persönliche Historie an. Es war glaube ich 2007. Ich lief noch in adidas Schuhen und wurde von einer Laufzeitschrift als Tester für eine Kombination aus Polar Uhr, adidas Shirt mit integrierten Pulssensor und Laufschuhen mit integriertem Schrittsensor ausgewählt. Hammer! Ich konnte also schon vor über 13 Jahren mit dieser Kombination super bequem Puls und Entfernung messen. Ich lief die Schuhe bis zum auseinanderfallen. Die Schuhe waren Top und in Verbindung mit Polar einfach unschlagbar. Doch irgendwann waren die Schuhe hinüber. Ersatz gab es nicht mehr. Also landete der Schuh auf dem Müll und der Schrittzähler irgendwo im Wald, weil die Halterung für Normalschuhe nichts taugte. Damit endete auch mehr oder weniger meine Schuhbeziehung zu adidas, die immerhin 1990 mit meinem ersten adidas Torsion begonnen hatte.

Inzwischen hatten immer Sportschuhe den Markt erobert und die Sportwissenschaft hatte herausgefunden, das zu viel Dämpfung in Schuhen nichts taugt. Ich stieg bei den Schuhen auf Saucony um. Adidas Schuhe waren Geschichte.

Die Zeit der Smartphones und Smartwatches begann und auch ich wollte unbedingt meine Trainingsstrecken am PC einsehen und auswerten können. Ganz vorn mit auf meiner Favoritenliste war “Runtastic”. Tolle App, gute Webseite, Auswertemöglichkeiten, Streckenansichten (Hey adidas, ich will meine alten Strecken wiederhaben!). Für die Pulsmessung gab es einen eigenen Gurt zu kaufen. Die ersten Modelle unterstützen noch kein Bluetooth LE, die Batterie war also nach ein paar mal Benutzen leer, und die Pulssensoren konnten sich auch nicht mit dem Polargurt messen.

Nun kam Adidas ins Spiel und kaufte Runtastic. Gut für die Runtastic Gründer, schlecht für die Runtastic Comunity. Warum gebe ich 220 Millionen Euro aus, wenn ich keine Vision habe? Statt jetzt mit einer Smartwatch nachzulegen, die Integration in die Kleidung wieder mit aufzunehmen und ein Ökosystem für Sportler aufzubauen, passierte: Nichts. Bis adidas Runtastic 2019 beerdigte und nun in 2020 auch viele Features abschafft. Das Handelblatt beschrieb das im letzten Jahr noch als eine mit Risiko behaftete Strategie. Ich nenne das strategische Fehlentscheidung vom Feinsten.

Für mich begannen nach Runtastic spannende Zeiten mit Garmin, Orca und seit ca. 2 Jahren Komoot. Ich warf immer mal wieder ein Blick auf Runtastic, weil ich einige Features in Garmin Connect vermisste und auch dort nicht alles zu 100% passt (Warum bräuchte ich sonst komoot?).

Im Moment bin ich mit meiner Fenix5 sehr zufrieden. Für meine erste Garmin – Fenix 2 – hatte ich mich übrigens entschieden, nachdem ich die Uhren UND die Webportale (Genau! Das was adidas gerade abschafft) von Garmin, Polar und Suunto verglichen habe. Suunto landete übrigens auf Platz 2, weil die Uhr keine Vibration hatte. Für Intervalltraining einfach ein No Go. Heute kann sie es, aber Suunto gibt mir noch keinen Grund zum Wechseln.

Und was bleibt bezüglich adidas? Für mich nicht viel mehr als meine Badehose. Die letzte Laufkleidung ist von Nike, hat einfach besser gepasst. Ich trage auf, was ich von adidas noch habe und sehe im Moment keinen Anreiz, weitere Produkte zu kaufen.

Und aus Sicht der adidas Strategie? Da habe ich zunehmend den Eindruck, dass man Richtung Mode und Lifestyle geht. Aber Kleidung ist immer eine Modeerscheinung. Wenn man den Mainstream bedient, muss man wirklich gut sein, sonst ist man tot. Das weiß auch adidas und verpasst Manuel Neuer lieber einen Rüffel für die falschen Schuhe, statt sich zu fragen, was sie falsch machen.

P.S.: Wer jetzt denkt, ich übertreibe und ein Milliardenkonzern wie adidas geht doch nicht einfach den Bach runter, der schaue sich mal den Aktienkurs von Nokia an. Und frage sich, was war da gleich nochmal am 9. Januar 2007?

Bildquelle: (c) dastridream.de

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